Wie kann man nachhaltige Mode von Greenwashing unterscheiden?

In der heutigen Modewelt, in der immer mehr Verbraucher Wert auf ökologische und ethische Standards legen, wächst auch das Risiko von Greenwashing. Das heißt, Marken präsentieren sich oftmals umweltbewusster, als sie es in Wirklichkeit sind. Nachhaltige Mode wird dadurch leider häufig mit irreführenden Werbeversprechen vermischt. Dabei ist gerade in Zeiten der Klimakrise und sich wandelnder Konsumgewohnheiten wichtig, echte Nachhaltigkeit von Marketingstrategien zu unterscheiden. Die Herausforderungen sind vielfältig: Komplexe Lieferketten, unterschiedliche Nachhaltigkeitssiegel und undurchsichtige Angaben erschweren es Kund:innen, bewusst und klug einzukaufen. Doch wer gut informiert ist und die Zeichen richtig deutet, kann wirklich faire, umweltfreundliche Mode erkennen – von Brands wie Armedangels, Hessnatur oder Vaude bis zu kleineren nachhaltigen Labels wie Bleed Clothing oder Lanius.

Die Modeindustrie trägt einen großen Anteil an Umweltbelastungen und sozialen Problemen, wie der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza vor über einem Jahrzehnt drastisch zeigte. Gleichzeitig entwickelt sich der Markt für nachhaltige Kleidung dynamisch und erfordert klare Kriterien und Transparenz. In diesem Artikel werden wir daher gezielt darauf eingehen, wie man als Verbraucher:in sicherstellt, dass ein Produkt oder eine Marke wirklich nachhaltig agiert und wo nur reines Greenwashing betrieben wird.

Greenwashing in der Modebranche erkennen: Die wichtigsten Merkmale

Greenwashing bezeichnet den Versuch eines Unternehmens, seine Produkte oder Geschäftspraktiken umweltfreundlicher darzustellen, als sie tatsächlich sind. In der Modebranche ist dies besonders weit verbreitet, denn Nachhaltigkeit verkauft sich gut. Verbraucher:innen sehen sich daher oft mit Aussagen konfrontiert, die oberflächlich grün klingen, jedoch bei näherem Hinsehen wenig Substanz bieten.

Typische Merkmale von Greenwashing sind unter anderem:

  • Vage oder nicht überprüfbare Nachhaltigkeitsversprechen: Wie allgemeine Formulierungen wie „umweltfreundlich“, „nachhaltig produziert“ oder „grün“ ohne konkrete Belege.
  • Exzessive Nutzung von grüner Symbolik: Zum Beispiel blattförmige Logos, Naturbilder oder erdige Farben, die aber nicht mit Fakten unterlegt sind.
  • Fehlende Angaben zu Lieferkette und Herstellungsprozessen: Wenn Informationen über Materialien, Produktion oder Logistik fehlen oder nur oberflächlich kommuniziert werden.
  • Unklare oder irreführende Zertifikate: Manche Marken erfinden eigene „Nachhaltigkeitssiegel“ oder präsentieren Drittzertifikate, die wenig aussagekräftig sind.

Wer diese Warnzeichen kennt, kann Greenwashing besser erkennen und vermeiden. Das trägt dazu bei, den Markt für nachhaltige Mode zu stärken und den Druck auf Marken zu erhöhen, transparent zu agieren.

Praxisbeispiel: Wie äußert sich Greenwashing?

Ein großer Konzern kündigt eine neue „ökologische“ T-Shirt-Linie an, bewirbt sie mit Bildern unberührter Natur und betont, dass sie „bewusst“ produziert wurde. Ein genauer Blick zeigt jedoch, dass nur ein geringer Anteil Bio-Baumwolle verwendet wird und die Produktion weiterhin in Fabriken mit fragwürdigen Arbeitsbedingungen stattfindet. Die CO2-Bilanz oder der Wasserverbrauch werden nicht offengelegt. Gleichzeitig betreiben andere Marken wie Armedangels oder Hessnatur echte Anstrengungen, die beispielsweise durch unabhängige Zertifikate belegbar sind.

Greenwashing-Merkmal Typisches Beispiel Wie man es erkennt
Vage Aussagen „Nachhaltig und umweltfreundlich“ Keine klaren Nachweise, keine Details
Grüne Symbolik Blätter und Erdtöne auf Verpackung Oberflächlich, ohne Erklärung
Fehlende Info über Lieferkette Keine Details zu Produktion oder Herkunft Transparenz fehlt
Intransparente Zertifikate Eigenes „Seal of Green“ Siegel der Marke Nicht unabhängig geprüft

Nachhaltigkeitssiegel: Wie glaubwürdig sind die Labels wirklich?

Nachhaltigkeitssiegel sollen Konsument:innen Orientierung bieten und bestätigen, dass ein Produkt ökologischen und sozialen Standards entspricht. Doch nicht alle Siegel sind gleichwertig, und viele Verbraucher:innen wissen nicht, worauf sie achten müssen.

In der Modebranche gibt es verschiedene Arten von Siegeln:

  • Ökologische Siegel: Diese fokussieren sich auf umweltfreundliche Materialgewinnung und Produktion, wie der GOTS (Global Organic Textile Standard) oder die Better Cotton Initiative.
  • Soziale Siegel: Sie garantieren faire Arbeitsbedingungen und soziale Standards, z. B. Fairtrade oder Fair Wear Foundation.
  • Cross-Siegel: Einige Labels versuchen, ökologische und soziale Aspekte zu verbinden, was jedoch aufgrund komplexer Lieferketten oft schwierig ist.

Die Nachhaltigkeitswissenschaftlerin Phoebe Nicette weist darauf hin, dass keines dieser Siegel allein die gesamte Lieferkette abdeckt, weshalb es oft sinnvoll ist, mehrere Siegel für ein Produkt zu betrachten. Außerdem kritisiert sie, dass einige Firmen eigene Siegel kreieren, um den Eindruck nachhaltiger Produkte zu erwecken, ohne die nötigen Standards zu erfüllen.

Für Verbraucher:innen gilt daher:

  1. Prüfe, ob die Siegel von unabhängigen Organisationen vergeben werden.
  2. Informiere dich genau über die Kriterien und Anforderungen des Siegels.
  3. Vergleiche Standards verschiedener Siegel, zum Beispiel GOTS mit Better Cotton.
  4. Achte darauf, ob soziale Aspekte (Arbeitsbedingungen) ebenfalls zertifiziert werden.
Siegel Fokus Glaubwürdigkeit Wichtiges Kriterium
GOTS Ökologie: Bio-Baumwolle, umweltfreundliche Verarbeitung Hoch Strenge ökologische Standards
Better Cotton Initiative Ökologie: Verbesserung Baumwollanbau Mittel Weniger streng als GOTS
Fairtrade Soziale Aspekte: Faire Baumwolle Hoch Faire Preise und Arbeitsbedingungen
Fair Wear Foundation Soziale Aspekte: Faire Arbeitsbedingungen Mittel bis hoch Kontrollen in Produktionsstätten

Marken wie Armedangels, Lanius und Thinking MU setzen konsequent auf solche unabhängigen Siegel und informieren ihre Kund:innen umfassend über die Herkunft und Herstellung ihrer Produkte. So entsteht Vertrauen, das Greenwashing entgegenwirkt.

Transparenz als Schlüssel: Lieferketten und Produktionsbedingungen verstehen

Eine echte nachhaltige Mode-Marke offenbart möglichst vollständig, wie ihre Produkte entstehen – von der Rohstoffproduktion bis zum fertigen Kleidungsstück. Gerade bei international verzweigten Lieferketten ist das allerdings eine echte Herausforderung. Viele Unternehmen verbergen Details oder kommunizieren nur Teile ihrer Produktionskette.

Transparenz bedeutet, folgenden Fragen offen und ehrlich zu begegnen:

  • Woher stammen die Materialien konkret? Zum Beispiel, ob Baumwolle biologisch angebaut wird.
  • Wer fertigt die Kleidung? Werden faire Löhne gezahlt, sind die Arbeitsbedingungen sicher?
  • Wie hoch ist der Energie- und Wasserverbrauch während der Produktion?
  • Gibt es Initiativen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes und Abfalls?

Marken wie Vaude oder People Wear Organic veröffentlichen regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte und prüfen ihre Lieferanten streng. Das schafft Vertrauen bei den Kund:innen und fördert langfristiges Engagement für Umweltschutz und faire Arbeit.

Kriterium Beschreibung Beispiel aus der Praxis
Materialherkunft Nachweis Bio-Baumwolle, keine Schadstoffe Armedangels veröffentlicht detaillierte Infos
Faire Arbeitsbedingungen Existenz von Sozialstandards, Kontrolle vor Ort Fair Wear Foundation-zertifizierte Fabriken
Umweltbilanz Angaben zu CO2-Emission, Wasserverbrauch People Wear Organic bilanziert regelmäßig
Offenlegung der Lieferkette Transparente Darstellung aller Stationen Vaude gibt Lieferantennamen frei

Konsumverhalten ändern: Mit bewusstem Einkauf gegen Greenwashing

Nachhaltige Mode beginnt nicht nur bei der Marke, sondern vor allem beim bewussten Verhalten der Kund:innen. Es ist entscheidend, den eigenen Modekonsum zu hinterfragen und nachhaltige Strategien zu entwickeln. Überkonsum stellt ein zentrales Umweltproblem dar, das durch wiederholten Kauf und schnelle Modezyklen verschärft wird.

Folgende Tipps helfen, authentische nachhaltige Kleidung zu erkennen und Greenwashing zu vermeiden:

  • Kaufe weniger, aber besser: Setze ein persönliches Limit, beispielsweise durch Wunschlisten oder Zeitabstände zwischen Neuanschaffungen.
  • Priorisiere Marken mit transparenten Informationen und anerkannten Siegeln, etwa Jan ’n June oder Kuyichi.
  • Nutze Secondhand-Mode und Recyclingkonzepte, um Ressourcen zu schonen.
  • Informiere dich vor dem Kauf über die Produktionsbedingungen, Materialien und das Unternehmen, zum Beispiel auf der Website.
  • Achte auf qualitative Verarbeitung, damit die Kleidungsstücke langlebig sind und künftige Käufe minimiert werden.

Bewusstes Einkaufen bedeutet auch, sich weniger von Marketing-Mythen verführen zu lassen und die Realität hinter den Versprechen zu hinterfragen.

Tipp Beschreibung Beispiel
Persönliche Shoppinglimits Weniger Einkäufe, bewusst planen Maximal 5 Teile pro Quartal kaufen
Secondhand kaufen Wiederverwendung statt Neukauf Plattformen für nachhaltige Gebrauchtkleidung
Qualität vor Quantität Langlebige Kleidung bevorzugen Investition in robuste Stoffe
Markenrecherche Informationen sammeln Lesen von Nachhaltigkeitsberichten
Nutzung von Siegeln Vertrauenswürdige Siegel erkennen Bevorzugung von GOTS-zertifizierten Produkten

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu nachhaltiger Mode und Greenwashing

  • Wie erkenne ich, ob eine Marke wirklich nachhaltig ist?
    Authentische Marken legen umfassende, transparente Informationen offen, nutzen unabhängige Nachhaltigkeitssiegel und kommunizieren offen über ihre Produktionsbedingungen.
  • Sind alle Nachhaltigkeitssiegel gleich vertrauenswürdig?
    Nein, es gibt große Unterschiede in den Kriterien und der Unabhängigkeit. Informiere dich genau über das Siegel und vergleiche mehrere davon.
  • Warum nutzen manche Unternehmen Greenwashing?
    Weil Nachhaltigkeit ein starkes Verkaufsargument ist. Manche Firmen scheuen Kosten oder Mühen und setzen stattdessen auf oberflächliches Marketing.
  • Kann ich als Konsument Greenwashing effektiv vermeiden?
    Ja, durch kritisches Hinterfragen, Recherche und die Auswahl von Marken mit überprüfbaren nachhaltigen Standards.
  • Gibt es empfehlenswerte nachhaltige Marken?
    Ja, unter anderem Armedangels, Hessnatur, Vaude, Bleed Clothing, Lanius, Thinking MU, Jan ’n June, Kuyichi und People Wear Organic sind bekannte und transparente Vertreter nachhaltiger Mode.

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