Pekinese: der Löwenhund, der heute noch auf dem Sofa regiert
Ein Pekinese sieht aus, als hätte ihn jemand aus einem alten chinesischen Seidenbild herausgeschnitten und versehentlich in die Gegenwart gelegt. Klein, plüschig, mit dieser leicht empörten Miene. Und dann steht er auf, schüttelt sich und trottet mit einer Selbstverständlichkeit durch die Wohnung, als gehöre sie ihm. Was sie, ehrlich gesagt, auch tut.
Ich habe vor einigen Jahren zum ersten Mal einen Pekinesen länger betreut — der Hund einer Nachbarin, die für zwei Wochen ins Krankenhaus musste. Ich dachte: kleiner Hund, kleine Aufgabe. Ich lag falsch. Nach drei Tagen wusste ich, wer in dieser Wohnung das Sagen hatte, und es war nicht ich. Seitdem habe ich mich mit der Rasse beschäftigt, mit Züchtern gesprochen, in Foren mitgelesen und zwei Pekinesen-Mischlinge kennengelernt, die mich beide überrascht haben.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Pekinese gehört zur FCI-Gruppe 9 (Gesellschafts- und Begleithunde), Standard Nummer 207 — der Standard wurde in Großbritannien ausgearbeitet, nicht in China.
- Charakterlich ist er kein Schoßhund im klassischen Sinne: wachsam, eigenständig, oft reserviert gegenüber Fremden.
- Die flache Schnauze ist kein Schönheitsdetail, sondern ein Gesundheitsrisiko — Hitzestress, Atemgeräusche, Probleme beim Fressen.
- Ein seriöser Welpe kostet in Deutschland meist zwischen 1.500 und 2.500 Euro; deutlich billigere Angebote sind fast immer ein Warnsignal.
- Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei etwa 12 bis 15 Jahren.
- Für Anfänger ist die Rasse bedingt geeignet — der Pflegeaufwand ist hoch, die Erziehung braucht Geduld.
Pekinese Charakter: was steckt wirklich dahinter?
Die Beschreibungen, die man überall findet, klingen wie aus einem Katalog: treu, mutig, würdevoll. Das stimmt sogar. Nur sagt es nichts darüber, wie sich das im Alltag anfühlt.
Der Pekinese wurde über Jahrhunderte nicht dafür gezüchtet, zu gefallen. Er lebte im Palast, in der Nähe des Kaisers, und wer ihn berührte, brauchte Rang und Erlaubnis. Diese Geschichte merkt man dem Hund bis heute an. Er bindet sich stark an ein, zwei Personen und behandelt den Rest der Welt mit einer Höflichkeit, die man durchaus als Kühle lesen kann.
Warum der Pekinese oft als stur gilt
Stur ist das falsche Wort. Der Punkt ist: er hat kein Interesse daran, Ihnen zu gefallen. Ein Labrador arbeitet für ein Leckerli und ein Lob. Ein Pekinese arbeitet, wenn er den Sinn darin sieht. Und wenn nicht, setzt er sich hin, schaut Sie an und wartet, dass Sie zur Vernunft kommen.
Ich habe mit einer Züchterin aus dem Sauerland gesprochen — sie züchtet seit über zwanzig Jahren und formulierte es so: „Ein Pekinese ist kein Hund, den man erzieht. Es ist ein Hund, mit dem man verhandelt." Genau so ist es. Wer mit Druck arbeitet, verliert. Wer mit Ruhe, Konsequenz und guter Belohnung arbeitet, gewinnt irgendwann.
Pekinese und Mensch: wie ist das Zusammenleben?
Er ist kein Hund für ein Leben mit ständigem Besuch, lauter Party und fünf Kindern unter zehn Jahren. Er ist ein Hund für ruhige Haushalte. Ältere Menschen, Alleinstehende, Paare ohne Trubel — dort fühlt er sich am wohlsten.
Das heißt nicht, dass er kinderfeindlich ist. Es heißt, dass er Grenzen braucht und dass Kinder diese Grenzen erst lernen müssen. Ich habe erlebt, wie ein Pekinese ein sehr aufgewecktes fünfjähriges Kind zwei Wochen lang komplett ignoriert hat. Nicht aggressiv. Nur: nicht vorhanden. Irgendwann hat das Kind begriffen, dass es ruhig sein muss. Dann waren sie Freunde.
Fremden gegenüber ist die Reaktion oft distanziert. Er bellt, wenn es an der Tür klingelt. Er bewacht. Er entscheidet dann selbst, ob er sich nähern möchte. Wer glaubt, jeder Besuch wird freudig begrüßt, wird enttäuscht.
Pekinese oder Pekingese: die Sache mit dem Namen
Kurz und schmerzlos: es ist dieselbe Rasse. Pekingese ist die englische Schreibweise, Pekinese die im Deutschen gebräuchliche Form. FCI-Papiere, Ahnentafeln und Zuchtverbände unterscheiden nicht zwischen beiden Begriffen.
Verwirrend wird es nur, wenn Sie in Suchportalen unterwegs sind. Dort tauchen beide Schreibweisen auf, manchmal sogar in derselben Anzeige. Wer einen Welpen sucht, sollte beide Begriffe verwenden, sonst entgehen ihm Angebote.
Pekinese schwarz: welche Farben gibt es?
Der Standard lässt fast alles zu: gold, rot, rotgescheckt, schwarz, schwarz mit Loh, weiß, beige, grau. Ein rein schwarzer Pekinese hat oft eine leichte Blaufärbung im Fell, die bei Sonnenlicht sichtbar wird.
Meine Nachbarin hatte einen schwarzen. Wunderschön, aber: schwarzes Fell zeigt Staub und Krümel sofort. Und bei Hitze wird die dunkle Farbe zum Problem, weil sich die Fläche stark aufheizt. Bei über 25 Grad war der Hund nach zehn Minuten im Garten völlig platt. Das ist keine Übertreibung, das habe ich selbst gesehen.
Pekinese kaufen: worauf Sie unbedingt achten sollten
Hier wird es unangenehm, und ich sage das bewusst deutlich: Der Pekinese ist eine der Rassen, die am häufigsten aus dubiosen Quellen stammen. Klein, beliebt, viele Würfe, schnell verkauft. Das ist ein Geschäft.
Ein seriöser Züchter in Deutschland verlangt für einen Pekinesen-Welpen meist zwischen 1.500 und 2.500 Euro. Der Preis deckt Tierarztkosten, Wurfabnahme, Papiere, Futter, Impfungen. Wer 400 Euro verlangt, hat diese Kosten nicht getragen. Punkt.
Warnsignale, die Sie sofort erkennen sollten
- Der Welpe ist „sofort abholbar" — ein seriöser Züchter gibt keinen Hund mit acht Wochen ohne Vorgespräch heraus.
- Sie dürfen die Mutter nicht sehen.
- Der Verkäufer kennt keine Papiere oder „die sind gerade beim Verband".
- Der Treffpunkt liegt auf einem Parkplatz oder an einer Autobahnraststätte.
- Es gibt mehrere Rassen gleichzeitig — ein Hinweis auf Vermehrung im großen Stil.
Ich habe selbst eine Anzeige gesehen, in der ein Pekinesen-Welpe für 350 Euro angeboten wurde, „ohne Papiere, aber gesund". Bei Rückfragen wurde der Verkäufer innerhalb von zwei Nachrichten pampig. Das ist kein Züchter. Das ist ein Zwischenhändler.
Die Alternative: der Tierheim-Weg
Reinrassige Pekinesen landen regelmäßig in Tierheimen, weil sich Besitzer den Tierarzt nicht mehr leisten können oder weil die Erwartung an den Hund nicht zur Realität passte. Über Rasse-in-Not-Vermittlungen finden Sie solche Hunde oft mit vollständiger Vorgeschichte. Der Vorteil: Sie wissen, was Sie bekommen, und Sie tun etwas Gutes.
Pekinese Lebenserwartung und Gesundheit
Ein Pekinese wird im Durchschnitt 12 bis 15 Jahre alt. Bei guter Pflege und ohne schwere brachyzephale Komplikationen sind 16 Jahre möglich. Ich habe von einem Rüden gehört, der 18 geworden ist — aber das ist die Ausnahme, nicht die Regel.
Die eigentliche Frage ist nicht, wie alt er wird, sondern wie er diese Jahre verbringt. Und hier entscheidet sich viel an der Kopfform.
Brachyzephalie: das wichtigste Thema
Der Pekinese zählt zu den brachyzephalen Rassen — also denen mit verkürztem Schädel. Das hat Folgen:
- Atemgeräusche beim Schlafen und bei Anstrengung sind bei vielen Tieren normal, sollten aber nicht extrem sein.
- Hitzeunverträglichkeit. Ab etwa 22 Grad wird es kritisch, ab 25 Grad gefährlich. Spaziergänge gehören in die Morgen- und Abendstunden.
- Das Brachyzephale Obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS) tritt bei der Rasse auf. Ein betroffener Hund röchelt, schnarcht laut, würgt beim Fressen, erholt sich nach Anstrengung nur langsam. Das ist ein Fall für den Tierarzt, nicht für „das ist halt so bei der Rasse".
- Zahnprobleme durch den kurzen Kiefer. Regelmäßiges Zähneputzen ist bei dieser Rasse keine Kür.
Wichtig: Der FCI-Standard verlangt ausdrücklich eine freie Atmung. Züchter, die auf noch kürzere Nasen und noch flachere Gesichter selektieren, arbeiten gegen den Standard und gegen die Gesundheit. Wenn Sie einen Züchter besuchen, schauen Sie sich die Elterntiere genau an. Röchelt der Rüde nach fünf Minuten Spiel im Garten noch nach zehn Minuten? Dann gehen Sie weiter.
Weitere gesundheitliche Themen
Neben den Atemwegen sind drei Dinge typisch: Patellaluxation (herausspringende Kniescheibe), Augenprobleme (wegen der vorstehenden Augen anfällig für Verletzungen und trockene Hornhaut) und Hautfaltenentzündungen im Gesicht. Dazu kommt die Neigung zur Tränenfleckenbildung, die kosmetisch stört, aber auch ein Hinweis auf Reizung sein kann.
Pekinese Pflege und Haltung
Das Fell ist lang, dicht und doppelschichtig. Es sieht pflegeleicht aus. Ist es nicht.
Bei einem Pekinesen mit vollem Fell sollten Sie täglich 10 bis 15 Minuten bürsten. Nicht, weil er sonst verfilzt — na ja, doch, genau deshalb. Hinter den Ohren, an den Beinen, unter dem Bauch. Wer zwei Wochen nicht bürstet, hat danach einen Termin beim Hundefriseur und eine Rechnung von 60 bis 90 Euro.
Bewegung: wie viel braucht er wirklich?
Weniger als Sie denken. Zwei kürzere Runden am Tag, insgesamt 30 bis 45 Minuten, reichen aus. Ein Pekinese ist kein Sportpartner. Er ist ein Spaziergänger — gemächlich, schnüffelnd, mit Pausen.
Im Sommer gilt: morgens vor acht, abends nach zwanzig Uhr. Dazwischen bleibt er drinnen, auf kühlem Boden. Ich habe einmal gesehen, wie ein Pekinese nach zwölf Minuten in der Mittagssonne zusammengebrochen ist — nicht dramatisch, aber er konnte kaum noch atmen. Das war eine Lektion. Hitzeschlag bei brachyzephalen Hunden geht schneller, als man denkt.
Pekinese Mischling und Vergleich mit ähnlichen Rassen
Mischlinge mit Pekinesen-Anteil werden oft als „gesünder" angepriesen. Das ist ein Mythos, dem ich widerspreche. Ein Mischling erbt die Kopfform von einem der beiden Elternteile, und wenn der Pekinese dabei ist, kann die flache Schnauze durchaus durchkommen. Ich kenne zwei Pekinesen-Shih-Tzu-Mixe — beide röcheln im Sommer.
Was Mischlinge tatsächlich bringen: einen oft robusteren Verdauungstrakt und ein weniger aufwendiges Fell, wenn die zweite Rasse kurzhaarig ist. Das ist ein echter Vorteil, aber kein Freifahrtschein.
| Rasse | Gewicht | Lebenserwartung | Charakter | Pflegeaufwand |
|---|---|---|---|---|
| Pekinese | 5–10 kg | 12–15 Jahre | eigenständig, wachsam, distanziert | sehr hoch |
| Mops (Pug) | 6–9 kg | 12–15 Jahre | gesellig, verspielt, anhänglich | niedrig |
| Shih Tzu | 4–7 kg | 12–16 Jahre | freundlich, ausgeglichen, kontaktfreudig | hoch |
| Lhasa Apso | 5–8 kg | 12–15 Jahre | wachsam, selbstbewusst, eigensinnig | hoch |
Der Mops ist der nächste Verwandte im Geiste, aber deutlich zugänglicher. Der Shih Tzu ist der gesellige Gegenentwurf. Der Lhasa Apso steht dem Pekinesen am nächsten, was Eigenwillen angeht — nur bellt er mehr.
Wenn Sie einen Hund wollen, der jeden Besuch schwanzwedelnd begrüßt, ist der Pekinese die falsche Wahl. Wenn Sie einen Hund wollen, der Ihnen gehört und sonst niemandem: willkommen im Club.
Pekinese für Anfänger: ja oder nein?
Ich sage es so, wie ich es einer Freundin gesagt habe, die sich einen Pekinesen zulegen wollte: Du kannst es schaffen, aber nicht, weil er einfach ist, sondern weil du bereit bist, dich anzupassen.
Anfänger unterschätzen zwei Dinge. Erstens die Fellpflege. Zweitens die Erziehung. Ein Pekinese ist kein Hund, der mit drei Wiederholungen sitzt. Bei ihm dauert „Sitz" zwei Wochen. Nicht weil er dumm ist, sondern weil er keinen Grund sieht. Wer das als Machtkampf interpretiert, verliert das Vertrauen des Hundes und hat danach einen kleinen Hund, der auf Durchzug schaltet.
Für Anfänger, die bereit sind zu lernen, ist der Pekinese trotzdem machbar — vorausgesetzt, sie holen sich eine gute Hundeschule mit Erfahrung bei kleinen, eigenständigen Rassen. Eine normale Welpengruppe mit zwanzig Hunden ist für ihn der falsche Ort.
Ein letzter Gedanke, der mir immer wieder durch den Kopf geht: Der Pekinese wurde über Jahrhunderte für eine Umgebung gezüchtet, die es nicht mehr gibt — Paläste, Höfe, kühle Gemächer, wenige Bezugspersonen. Was wir heute mit ihm machen, ist eine Umsiedlung. Manche kommen damit zurecht, als wäre nie etwas gewesen. Andere bleiben Fremde im eigenen Wohnzimmer. Und ich habe noch keinen Pekinesen getroffen, bei dem ich im Voraus hätte sagen können, welcher von beiden es wird.