Der Kapitän kam eine Stunde zu früh über die Lautsprecheranlage. „Wir laufen Arrecife etwa sechzig Minuten vor Plan an", sagte er, und plötzlich standen zweihundert Leute gleichzeitig auf dem Sonnendeck, weil alle dieselbe Idee hatten: noch schnell ein Foto vom Hafen von Lanzarote, bevor die Busse losfahren. Was dann passierte, war Chaos. Und zwar ein lehrreiches.
Ich habe diese Szene zweimal erlebt, in zwei verschiedenen Jahren, auf zwei verschiedenen Schiffen. Beim ersten Mal bin ich mit der Menge mitgelaufen und stand vierzig Minuten in einer Schlange, die sich nicht bewegte. Beim zweiten Mal blieb ich sitzen, trank in Ruhe einen Kaffee und ging erst los, als der Andrang vorbei war. Der Unterschied: ich wusste, wie der Hafen von Lanzarote funktioniert. Genau darum geht es hier.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Hauptkreuzfahrthafen von Lanzarote liegt in Arrecife, am Muelle de Los Mármoles – dem Terminal mit den meisten gleichzeitigen Schiffsanläufen.
- Wer nach Fuerteventura will, braucht Playa Blanca, nicht Arrecife: Die Fähre nach Corralejo braucht etwa 30 bis 40 Minuten.
- Vom Terminal in Arrecife sind Sie zu Fuß in rund 15 Minuten in der Innenstadt – Shuttlebusse sind praktisch, aber nicht zwingend.
- An Tagen mit drei oder mehr Schiffen gleichzeitig staut es sich am Ausgang; wer 45 Minuten wartet, spart oft mehr Zeit, als er verliert.
- Für Segler gibt es mit Puerto Calero und Marina Rubicón zwei deutlich ruhigere Alternativen zum Kreuzfahrtterminal.
Lanzarote Hafen: welcher Hafen wofür da ist
Die Insel hat nicht einen Hafen. Sie hat vier, die für Besucher relevant sind, und jeder erfüllt einen völlig anderen Zweck. Wer das durcheinanderbringt, plant an der Realität vorbei.
Arrecife: der eigentliche Kreuzfahrthafen
Der Muelle de Los Mármoles liegt am nordöstlichen Rand der Hauptstadt Arrecife. Hier legen die großen Pötte an – AIDA, Mein Schiff, Celebrity, MSC, je nach Route und Saison. Der Terminalbereich ist funktional: eine Halle, ein paar Stände, Polizeikontrolle, Taxistand, Busse. Mehr nicht. Und das ist völlig in Ordnung.
Was mich beim ersten Besuch überrascht hat: der Hafen ist kein Touristenort. Kein Promenaden-Charme, keine Cafés direkt am Kai. Zwischen Terminal und Innenstadt liegt ein Stück gewöhnliches Arrecife mit Werften, Lagerhallen und einer viel befahrenen Straße. Wer direkt nach dem Anlegen ein hübsches Hafenviertel erwartet, wird enttäuscht. Wer weiß, dass die Stadt zehn Minuten weiter liegt, hat einen entspannten Tag.
Playa Blanca: der Fährhafen
Im Süden der Insel, etwa 35 Kilometer von Arrecife entfernt, liegt Playa Blanca. Von hier gehen die Fähren nach Corralejo auf Fuerteventura. Zwei Reedereien bedienen die Strecke, die Überfahrt dauert zwischen 25 und 40 Minuten – je nach Schiffstyp. Für die schnelleren Fähren zahlen Sie mehr, für die Autofähre weniger.
Der Hafen selbst hat 129 Liegeplätze, fünf Meter Wassertiefe an der Kaimauer, Wasser- und Stromanschluss, einen Travelift und eine Tankstelle. Für Segler ist das solide, aber nichts Besonderes. Der eigentliche Grund, hierherzukommen, ist die Überfahrt.
Puerto Calero und Marina Rubicón
Zwei Marinas, die in Kreuzfahrt-Broschüren nie auftauchen und trotzdem die schönsten Liegeplätze der Insel bieten. Puerto Calero liegt zwischen Arrecife und Playa Blanca, Marina Rubicón direkt bei Playa Blanca. Beide sind teurer als der Stadthafen, beide sind ruhiger, und beide haben Restaurants, die tatsächlich gut sind. Wenn Sie mit eigenem Boot unterwegs sind, würde ich immer eine dieser beiden wählen.
| Hafen | Wofür | Wer | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Arrecife (Los Mármoles) | Kreuzfahrtschiffe | AIDA, Mein Schiff, MSC, Celebrity | ca. 15 Min. zu Fuß in die Stadt |
| Playa Blanca | Fähre nach Fuerteventura | Reisende, Autofahrer, Segler | Überfahrt 25–40 Min. |
| Puerto Calero | Yachthafen | Private Boote | ruhig, gute Gastronomie |
| Marina Rubicón | Yachthafen | Private Boote | direkt bei Playa Blanca |
| Órzola | Fähre nach La Graciosa | Tagesausflügler | Norden der Insel, kleiner Ableger |
Kreuzfahrtschiffe in Arrecife: was Sie vorher wissen sollten
An manchen Tagen liegen zwei Schiffe im Hafen. An anderen vier. Ich habe beides erlebt, und der Unterschied ist gewaltig – nicht wegen der Stadt, sondern wegen der Logistik.
Wenn mehrere Schiffe gleichzeitig anlegen
Der Terminalausgang ist der Flaschenhals. Jedes Schiff desembarkiert über denselben kontrollierten Bereich, und bei drei oder vier gleichzeitigen Anläufen schieben sich schnell mehrere tausend Menschen durch denselben Gang. Ich habe einmal 50 Minuten gebraucht, um vom Schiff bis zum Taxistand zu kommen. Fünfzig Minuten. Für eine Strecke, die zu Fuß normalerweise zwölf dauert.
Was hilft: nicht als Erster raus wollen. Wer eine Stunde nach dem Anlegen vom Schiff geht, ist fast immer schneller am Ziel als der, der sich in die erste Welle drängt. Klingt paradox, ist aber so.
AIDA, Mein Schiff und die Sache mit den Shuttle-Bussen
Die Reedereien handhaben den Transfer unterschiedlich. AIDA setzt in Arrecife häufig einen Shuttlebus ein, Mein Schiff ebenfalls – manchmal kostenlos, manchmal gegen Gebühr, das hängt vom Vertrag mit dem Hafen ab und ändert sich. Verlassen Sie sich nicht auf mein Wort von vor zwei Jahren. Fragen Sie an Bord am Vortag nach, das ist die einzige verlässliche Quelle.
Wichtig für Individualreisende: Der Fußweg in die Stadt ist ausgeschildert, aber nicht besonders einladend. Er führt an einer Schnellstraße entlang. Mit Kindern oder Gehbeeinträchtigung würde ich den Shuttle nehmen. Ohne bleibt es Geschmackssache.
Was direkt am Terminal ist – und was nicht
Ein kleiner Wartebereich, Toiletten, ein paar Verkaufsstände mit dem üblichen Angebot. Kein Strand. Kein nennenswertes Restaurant. Wer nach dem Anlegen „mal eben an den Strand" will, muss losfahren: Der nächste brauchbare Badestrand ist Playa del Reducto in Arrecife selbst, etwa zwei Kilometer entfernt, oder man nimmt den Bus nach Puerto del Carmen (rund 20 Minuten) oder Costa Teguise (etwa 15 Minuten).
Was ich beim zweiten Besuch gemacht habe, und was ich jedem empfehle: nicht sofort zum Strand hetzen. Erst in die Altstadt von Arrecife, zum Charco de San Ginés, diesem kleinen Lagunenbecken mitten in der Stadt. Dort sitzen Einheimische, es gibt Cafés, und man sieht endlich, dass Arrecife mehr ist als ein Industriehafen. Danach bleibt immer noch Zeit für den Strand.
Orientierung: Karten, Wege, Taxipreise
Der Hafen von Lanzarote ist auf jeder Karte leicht zu finden – er ist der größte Industriekai an der Ostküste, nördlich der Stadtmitte. Was Karten nicht zeigen: die tatsächliche Distanz zwischen Terminal und Stadtzentrum, und wie unangenehm der Fußweg entlang der Hafenstraße an einem heißen Tag werden kann.
Taxi, Bus, Mietwagen
- Taxi vom Terminal in die Innenstadt: kurze Fahrt, einstelliger Eurobetrag – ich habe nie mehr als sechs oder sieben Euro gezahlt. Am Terminal stehen Taxis bereit, aber bei mehreren Schiffen kann die Schlange lang sein.
- Buslinie in Richtung Puerto del Carmen: hält in Hafennähe, günstig, aber nicht auf Kreuzfahrtzeiten abgestimmt. Wer einen festen Ausflug plant, sollte das nicht als Hauptverkehrsmittel einplanen.
- Mietwagen: Am Terminal gibt es Anbieter, aber die Auswahl ist begrenzt und die Preise sind an Anlauftagen spürbar höher als in der Stadt. Wenn Sie flexibel sein wollen, buchen Sie vorab online und nehmen Sie die Übergabe in Arrecife statt am Terminal.
Zu Fuß in die Stadt: die ehrliche Einschätzung
Zwölf bis fünfzehn Minuten, je nach Tempo und danach, ob Sie den etwas längeren Weg über die Promenade nehmen. Die Promenade ist die bessere Wahl, auch wenn sie 300 Meter mehr bedeutet: Sie führt am Wasser entlang, ist schattiger und endet direkt beim Charco de San Ginés. Den direkten Weg über die Straße würde ich nur nehmen, wenn es schnell gehen muss.
Häufige Fragen zum Hafen von Lanzarote
Welcher Hafen ist für mich der richtige?
Das hängt ausschließlich davon ab, wie Sie anreisen. Mit dem Kreuzfahrtschiff: Arrecife. Mit der Fähre nach Fuerteventura: Playa Blanca. Mit dem eigenen Boot: Puerto Calero oder Marina Rubicón, wenn Sie Komfort wollen, Arrecife, wenn Sie zentral liegen wollen. Órzola im Norden ist nur für die Überfahrt nach La Graciosa relevant und für Tagesgäste.
Wie viel Zeit brauche ich vom Schiff bis in die Stadt?
Realistisch eine Stunde vom Anlegen bis zum ersten Kaffee in Arrecife – inklusive Kontrolle, Wartezeit am Ausgang und Fußweg. Bei mehreren gleichzeitig anlegenden Schiffen eher 90 Minuten. Planen Sie das ein, sonst wird der Tag hektischer als nötig.
Kommt man vom Kreuzfahrthafen direkt an den Strand?
Nein. Direkt am Terminal gibt es keinen Strand. Der nächstgelegene ist Playa del Reducto in Arrecife, etwa zwei Kilometer entfernt, gut per Taxi oder zu Fuß über die Promenade erreichbar. Für breitere Strände lohnt der Bus nach Puerto del Carmen.
Was ich jedem mitgebe
Der Hafen von Lanzarote ist kein Ort, an dem man ankommt und sich verliebt. Er ist ein Zweckbau, und das ist nicht abwertend gemeint – er macht seinen Job. Die Insel beginnt erst hinter dem Terminalzaun, und genau dort entscheidet sich, ob der Tag gut wird: an der Frage, ob Sie die erste Welle abwarten können oder nicht.
Ich fahre inzwischen grundsätzlich nicht mehr als Erster von Bord. Ich trinke Kaffee, bis die Schlange weg ist, gehe über die Promenade in die Stadt, esse etwas am Charco de San Ginés, und wenn danach noch Zeit für einen Strand bleibt, umso besser. Das klingt nach wenig. Es ist der entspannteste Hafentag, den ich auf den Kanaren hatte.
Was mich allerdings immer noch wundert: Warum die Reedereien ihre Ankunftszeiten so legen, dass drei Schiffe gleichzeitig denselben Ausgang benutzen. Vielleicht ist es Zufall. Vielleicht rechnet niemand die Wartezeit der Gäste in die Route ein. Fragen Sie beim nächsten Mal an der Rezeption nach – die Antworten sind meist ehrlicher als die Ausflugsbroschüre.